Das Schreiben und ich: Vom Pflicht- zum Selbstbewusstsein

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Das Thema Schreiben begleitet mich in den letzten Jahren zunehmend mehr – sowohl persönlich als auch beruflich. Deshalb kommt mir Anna Koschinskis Aufruf, im Kontext einer Blogparade übers Schreiben zu schreiben, sehr gelegen.

Du bist hier richtig, wenn es dich interessiert:

  • wieso ich aus Pflichtbewusstsein mit dem Schreiben anfing
  • warum es zu einer riesigen Portion Selbstbewusstsein geführt hat
  • wie es mir in Kombination mit buddhistischer Psychologie zu authentischeren Beziehungen verholfen hat
  • welche Aufträge ich in diesem Bereich bereits ausgeführt habe

Da ich darüber hinaus noch nie an an einer Blogparade teilgenommen habe, wird es jetzt Zeit 🙂

Meine persönliche Schreib-Story

„So richtig“ angefangen habe ich mit dem Schreiben eigentlich erst mit ungefähr 30 Jahren.

Mit „so richtig“ meine ich, dass ich seitdem (auch) beruflich und öffentlich (wirksam) schreibe. Persönlich und privat jedoch war das Schreiben schon lange vorher ein großer und wichtiger Teil in meinem Leben, dem ich viiiiiiiieeeeeel Zeit, Muße und Energie widmete.

Erst im Zuge dieses Artikels offenbarte sich nun das Ausmaß des roten Schreibfadens, der sich schon lange still und leise durch mein Leben zieht.

Schreiben = Pflichtbewusstsein

Fangen wir also mal von vorne an!

Die Bienchen und Blümchen brauchen wir in diesem Zusammenhang nicht, sondern wir spulen direkt mal einige Jahre vor: Im Laufe meiner Ausbildung gab es schlichtweg viel zu schreiben.

Im Deutsch-Leistungskurs (ich war in Bayern auf der Schule) wurde nicht nur in literarischen Klassikern geschmökert, sondern es ging auch darum, selbst Stellung zu beziehen und ausgewählte Themen differenziert darzustellen. Egal ob die allseits beliebte Gedichtsanalyse (Ironie off) oder ausführlichere Essays – diese erfolgen im schulischen Kontext in der Regel in Schriftform. Gleiches galt für meine Facharbeit, die ich zwar auf französisch, aber eben auch schriftlich zu verfassen hatte.

Das gleiche Prinzip zog sich auch im Studium fort: Diverse Hausarbeiten sowie die Bachelor- und Masterthesis (dazu gleich nochmal mehr) wollten von mir geschrieben werden.

Und auch damit nicht genug: Im Kontext meiner studienbegleitenden Praktika (über rund 2 Jahre in Deutschland und Mexiko-Stadt bei 4 Unternehmen) verfasste ich dann Branchennews, Benutzerhandbücher, Förderanträge oder auch Business Pläne. Rückblickend betrachtet wurden mir solche Tätigkeiten überraschend häufig übertragen und – oh Schreck – sie machten mir in der Regel sogar Spaß.

Vermutlich ist das auch einer der Gründe, warum ich – neben den unvermeidbaren Pflichten – meistens mehr auch (auf)schrieb als unbedingt notwendig.

Schreiben = Gedächtnisstütze

Das fing schon in der Schule an: Im Unterricht schrieb ich brav und fleißig mit (klar waren das nicht immer nur unterrichtsrelevante Notizen 😀 ).

Im Studium wechselte ich dann in die digitale Welt und erstellte Zusammenfassungen in Word (wobei meine diesbezüglichen Kompetenzen zu diesem Zeitpunkt gelinde gesagt unterdurchschnittlich waren: Meine „Zusammenfassungen“ hatten meist eine ähnliche Länge wie der Originaltext – naja, aber wer schreibt, bleibt und so 😀 ).

Für die 5 Fremdsprachen, die ich während meines Studiums lernte (2 davon jedoch nur für 1 Semester^^), schlug ich mit Karteikärtchen einen anderen, aber ebenso schriftlichen Weg ein. Keine Ahnung, ob es den Aufwand wert war (es war VIEL Aufwand), aber die hab ich bis heute noch 😀

Irgendwann begann ich dann auch damit, mir (digitale) Zusammenfassungen von Büchern und später auch von Artikeln anzufertigen, die ich privat lese. Aktuell arbeite ich übrigens daran, all diese und künftige Notizen durch Programme wie Obsidian und Notion noch besser nutzbar zu machen. Es bleibt also spannend 🙂

Schreiben = Gefallen -> Stärke

Zum „Schreiben müssen“ und „Schreiben wollen“ kam außerdem noch, dass mich immer wieder Freunde, Bekannte und KollegInnen um Unterstützung baten.

„Ich weiß nicht, wie ich das am Besten sagen soll und du kannst das einfach immer so gut ausdrücken.“

Egal ob Bewerbungsanschreiben, wichtige Geschäftsmails, Stellungnahme zur Ausmusterung bei der Bundeswehr oder wissenschaftliche Texte – immer wieder wurde ich gefragt, ob ich nicht kurz drüber schauen oder gar einzelne Passagen direkt formulieren könnte. Im Gegenzug erhielt ich (auch dadurch) immer viel Feedback auf meine Texte.

Unzählige Überlegungen über Bedeutung, Ein- und Mehrdeutigkeit sowie (Un-)Sinn einzelner Sätze zeigten mir die Macht einzelner Worte. Derartige Diskussionen – in der Regel konstruktiv, aber an der ein oder anderen Stelle sicherlich auch übertrieben^^ – schärften mein Sprachgefühl über die Zeit. Meinen daraus entstehenden Perfektionismus konnte ich glücklicherweise mittlerweile wieder weitgehend ablegen.

Bis heute kontaktiere ich bei eigenen textlichen oder grammatikalischen Unsicherheiten übrigens immer meine Schwester. Sie ist zwar eigentlich Psychologin und angehende Psychotherapeutin, hat aber auch eine Weile als Korrektorin und Lektorin gearbeitet – und ist mir in diesem Bereich nochmal um Längen voraus!
(Vielleicht habe ich das Schreiben gerade deshalb lange Zeit nicht als eigene Stärke gesehen?).

Trotz Deutsch-Leistungskurs habe ich daher (nicht nur, aber auch) in dieser Hinsicht viel von ihr gelernt („nee, das ist ja hier eine Infinitivkonstruktion!“). Und ihr nicht weniger zu verdanken: So las sie meine Masterarbeit sorgfältig und in gewohnter Gründlichkeit Korrektur – obwohl sie zu diesem Zeitpunkt eigentlich gerade auf Reisen war.

Kurzerhand entschloss sie sich dazu, einige Tage im selben Hostal zu bleiben, um mich im Endspurt bestmöglich unterstützen zu können <3 (Übrigens: Wenige Tage später haben wir uns dort getroffen – denn nur wenige Stunden nach meiner Abgabe setzte ich mich ins Flugzeug zu ihr nach Mexiko :D)

Schreiben = (bezahlte) Arbeit

Pünktlich zu Fasching kehrte ich nach unserer mehrwöchigen Reise wieder nach Deutschland zurück und startete nach ein paar ausgelassenen Karnevalstagen in ein neues Kapitel: Das „richtige“ Berufsleben.

Da ich bereits vorher freiberuflich tätig war, änderte sich mein Alltag dadurch nicht grundlegend, aber natürlich war der Fokus dann nochmal ein anderer. Ein Teil der jetzt folgenden Schilderungen fand übrigens bereits im Rahmen meiner studienbegleitenden freiberuflichen Tätigkeit statt, aber ich denke ein streng chronologischer Aufbau ist nicht nötig 🙂

Deshalb zunächst nochmal zurück zu meiner Masterarbeit, die einige Zeit nach meinem erfolgreichen Studienabschluss nochmal auf eine Art relevant wurde, die ich zum Zeitpunkt meiner Abgabe noch nicht mal erhofft hatte: Dr. Björn Fiedler kam auf mich zu und wollte wissen, ob ich meine Ergebnisse nicht mit ihm gemeinsam als eBook veröffentlichen möchte.

Und ob ich das wollte! Mir gefiel die Vorstellung, dass meine Arbeit, in die so viel Zeit, Energie und Mühe floss, nach einer hervorragenden Beurteilung nicht einfach in einer dunklen Schublade der Universität landete.

Deshalb veröffentlichten wir meine Forschungsergebnisse – ergänzt um ein paar praxisorientierte Handlungsempfehlungen für Führungskräfte und OrganisationsentwicklerInnen – als Buch bei Amazon und ersten Band der Reihe „Zukunft Organisationsentwicklung“.

Tauchen wir wieder ins „normale“ Berufsleben ein: Relativ am Anfang meiner freiberuflichen Tätigkeit als Beraterin sollte ich für die Website eines Kooperationspartners einen kurzen Text über mich als Person und meinen bisherigen Werdegang verfassen. Der kam so gut an, dass ich prompt auch die Vorstellungstexte der anderen BeraterInnen formulieren sollte.

Auch wenn es mir in dem Moment noch gar nicht so bewusst war: Rückblickend betrachtet war das wohl der Startschuss für mein „professionelles“ Schreiben.

Fortan übernahm ich – ohne mich explizit darum bemüht oder oder es bewusst darauf angelegt zu haben – immer weitere und komplexere Projekte rund ums Schreiben:

  • Während ich bereits vorher selbst als Thermentesterin unterwegs war und selbst ausführliche Berichte zur Steigerung der Service- und Prozessqualität verfasste, übernahm ich nun die Leitung dieses Bereichs. In dieser Rolle schulte ich u.a. neue TesterInnen und stellte sicher, dass deren Berichte für unsere Unternehmenskunden hilfreich und konstruktiv waren.
  • Außerdem unterstützte ich einen Kunden umfassend beim Aufbau seiner neuen Website: Ich schrieb dessen Angebotstexte, die Unternehmensgeschichte sowie Erfolgsgeschichten mit zufriedenen Kunden und vieles mehr.
  • Im Rahmen eines größeren Veränderungsprozesses verantwortete ich im Kontext der Change Kommunikation u.a. den Newsletter an die knapp 70 Mitarbeitenden .
  • Zudem übernahm ich auch ein paar kleinere Aufträge im Kontext der Wissenschaftskommunikation.
  • Auch in meiner Teilzeit-Stelle als Talent Sourcerin bei Workwise spielte das Verfassen von Texten in Form von Erstnachrichten an Talente und individuellen Empfehlungsschreiben dieser KandidatInnen bei den suchenden Unternehmen lange Zeit eine wesentliche Rolle.

Nach einer längeren Pause mit anderen Schwerpunkten habe ich Ende 2023 auch wieder zu meinem Blog zurück gefunden. Außerdem bin ich wieder aktiver bei LinkedIn geworden und freue mich über regen Austausch mit anderen spannenden Menschen. (Gerne auch mit dir? Schreib mich einfach an!)

Wenn du dort nicht angemeldet bist oder auf solchen Netzwerken eher passiv mitliest, können wir in den nächsten Wochen auch auf andere Weise in Austausch gehen: Ich habe mich dazu entschlossen, meine Gedanken, Erlebnisse und meine eigene Reise über einen Newsletter mit Menschen wie dir zu teilen.

Thematisch möchte ich vor allem zeigen, dass Veränderungen und der Aufbau eines selbstbestimmten Lebens sich lohnen und sogar Freude machen können – auch wenn der Prozess phasenweise anstrengend sein kann. Natürlich werden sowohl neueste Erkenntnisse als auch bewährte Lieblingsübungen sowie unterhaltsame Inspirationen darin Platz finden. Eben alles, was mir und meinen bisherigen Kunden geholfen hat und damit auch dich bei deiner eigenen Reise unterstützen könnte.

Durch dieses Format soll zudem ein noch viel persönlicherer Austausch direkt zwischen mir und dir ermöglicht werden, der im öffentlichen Raum (bei LinkedIn oder auch auf meinem Blog) vermutlich nicht entstehen würde.

Wenn du das nicht verpassen möchtest, melde dich gerne bei mir und ich setze dich direkt auf die Warteliste!

Schreiben = Selbstbewusstsein

Jetzt aber nochmal abschließend zurück zum Schreiben.

Über all die Jahre hat sich einiges angesammelt, was ich dem Schreiben verdanke. Eine dezidierte Auflistung würde den Rahmen hier wohl sprengen, aber in einem Wort lässt es sich wohl mit „Selbstbewusstsein“ umschreiben – vor allem seit ich in meinem analogem Notizbuch oder meinem digitalen System in Notion viel über meine persönlichen Denk- und Verhaltensmuster journalte.

Schreiben wird (v.a. in der Personal-Knowledge-Management-Community) oft als Mittel zum Denken beschrieben – also als Prozess, nicht Ergebnis. Das kann ich so absolut bestätigen!

Meine Journalingtexte (= Ergebnis) waren (und sind) nicht immer schön, aber sie klären, was mit mir los ist (= Prozess). Und mit „nicht schön“ meine ich nicht nur den rein ästhetischen Charakter, sondern sie entsprechen auch nicht unbedingt der Realität – das tun Gedanken ja ohnehin nur selten.

Durch das Schreiben nehmen sie aber eine Form an, die bearbeitbar und veränderbar ist. Die Worte liegen schwarz und weiß vor mir und ich kann sie bewusst hinterfragen, verwerfen, annehmen oder weiter spinnen.

Die eigenen Themen zu erkennen und zu verstehen, ist wohl eine der wichtigsten Voraussetzungen, um andere auf ihrem Weg unterstützen zu können. Genauso unabdingbar ist es für mich, parallel dazu auch den eigenen Weg immer weiter zu beschreiten. Und ja, auch als einschlägiger Coach kann dieser Weg zeitweise kräftezehrend und voller Umwege sein 😀

In Kombination mit anderen Methoden (wie z. B. Meditation) konnte ich meine inneren Prozesse immer besser verstehen und lernte mit der Zeit auch, präziser ausdrücken, was mich innerlich gerade bewegt. In meinen Augen ist das sowohl für mich als Mensch als auch als Coach wichtig.

Schließlich hat die Sprache durchaus einen großen Einfluss auf uns: Nicht umsonst benennt der Mediziner die kleinsten Bestandteile der Lunge eindeutig, um eine differenzierte Diagnose stellen und ggf. auch an seine KollegInnen weitergeben zu können. Und auch der Eskimo unterscheidet viele unterschiedliche Arten von Schnee – sein Alltag hängt schließlich stark von der genauen Beschaffenheit ab.

Das Gleiche gilt für unsere inneren Zustände: Unsere Gedanken und Emotionen beeinflussen unser Leben maßgeblich – und doch haben wir oft weder Raum noch Worte dafür übrig.
(Keine Sorge, falls du dich darin findest: Damit bist du absolut nicht allein!)

Beim Beschreiten meines beruflichen und persönlichen Lebenswegs stieß ich vor einigen Jahren auf die buddhistische Weisheitslehre, die sich intensiv mit der Natur des „Menschseins“ auseinandersetzt.

In dieser jahrtausendealten Tradition (deren Kernthesen mehr und mehr auch durch die moderne Wissenschaft bestätigt werden) habe ich viele Erklärungen gefunden, die meine persönlichen Erfahrungen als „typisch menschlich“ bestätigen. Natürlich ist jede Erfahrung einzigartig und individuell, aber häufig sind die vermeintlichen Probleme, mit denen wir uns gerade herumschlagen, gar nicht so persönlich, wie wir zunächst glauben.

Diese Erkenntnis bringt für mein Leben im Wesentlichen zwei Konsequenzen mit sich:

  1. Ich traue mich, meine eigenen Verletzlichkeiten und aktuellen Baustellen selbstbewusster und authentischer zu zeigen, als je zuvor in meinem Leben.
  2. Ich kann anderen Menschen, die gerade mit etwas zu hadern oder gar zu kämpfen haben, immer öfter voller Mitgefühl und Respekt begegnen.

Natürlich gelingt es mir (noch) nicht, beide Aspekte immer in voller Konsequenz umzusetzen – Stichwort eigener Weg und so.

Aber egal, ob ich von meinen (vermeintlich) individuellen Herausforderungen berichte oder über „menschliche Muster“ schreibe: Letztlich sind es Versuche, mein (durch Schreiben erlangtes) Selbstbewusstsein nun wiederum in eigene Worte zu fassen und mich auszudrücken, damit meine Texte Menschen wie dich bewegen, inspirieren und motivieren.

Um es mit Annas Worten zu sagen:
„Jeder Text ist eine Einladung zum Gespräch (außer vielleicht die Einkaufsliste, die ich nur für mich schreibe).“
Dem stimme ich 100 % zu (inklusive der Listen zum ausschließlich persönlichen Gebrauch – ich L I E B E Listen 😀 ).

Wenn du meine Einladung annehmen möchtest, freue ich mich über deine Gedanken und/oder Erfahrungen rund ums Schreiben – egal ob als Kommentar unter diesem Artikel, auf meinem Blog oder bei LinkedIn. Natürlich kannst du auch bei Annas Blogparade vorbeischauen und nach weiteren GesprächspartnerInnen Ausschau halten 🙂

Oder du führst das Gespräch unter zwei Augen.
Am Besten schriftlich versteht sich 😉

Kommentare

4 Antworten zu „Das Schreiben und ich: Vom Pflicht- zum Selbstbewusstsein“

  1. Liebe Kathrin,
    Gerne habe ich deinen Artikel gelesen und erkenne sehr viele Parallelen zu meinem „Schreiben“. Besonders dein Bezug zur buddhistischen Psychologie interessiert mich. Ich hoffe, noch mehr davon zu lesen.
    Lieben Gruß, Birgit

    1. Avatar von Kathrin Frank
      Kathrin Frank

      Vielen Dank liebe Birgit – es freut mich, dass du dich in meinen Erfahrungen an manchen Stellen wiederfinden konntest.
      Jaa, dazu wird es hoffentlich bald ein paar mehr Artikel geben 🙂
      Herzliche Grüße,
      Kathrin

  2. […] Das Schreiben und ich: Vom Pflicht- zum Selbstbewusstsein […]

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