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„Kann man Erfolg lernen?“ – Spannende Impulse des Greator Online Festivals (Tag 4)

(Wie) Können Sie Erfolg lernen?

Am vierten Tag des Greator Online Festivals dreht sich alles um die Frage, ob und inwiefern man Erfolg lernen kann. Auch heute gaben Experten rund um persönliches Wachstum wieder ihr Wissen und ihre Tipps zum Besten. Meine Highlights habe ich hier wieder zusammengefasst. Und wie in den letzten Tagen auch (Tag 1, Tag 2 und Tag 3) befindet sich am Ende des Artikels eine praktische Zusammenfassung für Sie.

Markus Brand: Interview

Neben den unheimlich spannenden vorgestellten Modellen rund um Persönlichkeitsdiagnostik fand ich folgende Erinnerung von Markus Brand besonders hilfreich: Viele beschäftigen sich mit dem Thema Persönlichkeitsentwicklung, weil sie sich weiterentwickeln möchten. Zumindest unbewusst ist das Grundmotiv also letztlich eine Form von „Höher, schneller, weiter“. Entwicklung kann aber auch in einem anderen Sinne interpretiert werden: Nämlich ent-wickeln. Markus Brand verweist dabei auf die bevorstehende Adventszeit: An Weihnachten packen wir voller Begeisterung Geschenke aus – wir ent-wickeln sie also – um zum eigentlichen Kern vorzudringen; in dem Fall den Inhalt des Geschenkt. Was aber ist der Kern der Persönlichkeit? Der Redner führt in diesem Kontext Beispiele wie unsere Motive, unsere Kraftquellen, Wertehaltungen und Sichtweisen auf die Welt an. Es geht hier nicht um ein richtig oder falsch – zweifelsfrei haben beide Formen ihre Berechtigung. Aber seien Sie ehrlich zu sich: Wie sieht es bei Ihnen aktuell aus? Übrigens: Auch ich habe rückblickend festgestellt, dass ich erst nach jahrelanger Auseinandersetzung von einem „schneller, höher, weiter“ zu einer tatsächlichen Ent-wicklung meiner Persönlichkeit gekommen bin.

Christina & Walter Hommelsheim: Live Coaching Q & A

Die einleitenden Gedanken der beiden Lehrcoaches zum Motto des Tages haben mir persönlich sehr gut gefallen. Demnach geht es bei Erfolg nicht darum, etwas zu lernen und quasi etwas von außen in Ihr System zu bringen. Stattdessen ist es mehr ein Finden im Inneren: So unterstreicht Christina, dass in ihren Augen jeder Mensch für Erfolg prädestiniert ist. Unsere Aufgabe besteht darin, die Schicht aus Glaubenssätzen und anderen Hemmnissen abzutragen.

Veronica Lillo-Roith: Zukunft beginnt bei dir

Ebenfalls ein spannender Vortrag, in dem ich darüber hinaus viel von meinen eigenen Gedanken und persönlichen Erfahrungen wieder gefunden habe. Aber nicht nur deshalb möchte ich Ihnen diese Impulse keinesfalls vorenthalten!

Erwartungen kennen wir wohl alle aus unserem Alltag: Zum einen sind da die Erwartungshaltungen anderer, die von außen an uns herangetragen werden (zum Beispiel was sich gehört, was richtig ist oder erstrebenswert und was eben nicht). Zum anderen haben wir aber auch die eigenen Erwartungen, die wir an uns selbst richten. Dann erzählt Veronica Lillo-Roith von ihrem Wunsch, Menschen in den Mittelpunkt Ihrer Arbeit zu stellen. Zunächst scheint sie auch einen Weg dahin zu finden: Ihr damaliger Arbeitgeber übernahm sogar die Kosten für ihre Weiterbildungen und bot ihr eine neue Stelle als Transformationscoach an. Und doch änderte sich nichts: Auch in ihrer neuen Funktion ging es nicht um die Menschen. Die Erwartungen des Unternehmen blieben auch in dieser Funktion letztlich gleich.

Auch wenn es bei mir in einigen Punkten anders abgelaufen ist, waren die Auswirkungen doch gleich: Man beginnt immer mehr an sich selbst zu zweifeln. Kann man wirklich alles haben – mit Leidenschaft einen Beitrag leisten und dabei noch Erfolg haben? Oder ist das nur eine naive Vorstellung, die mit der Realität nichts zu tun hat? Unter diese Zweifel mischt sich das Gefühl von Hilflosigkeit. Man fühlt sich unfähig und dumm. Veronica Lillo-Roith hat das Glück, dass ihr Mann weiterhin an sie glaubt – auch wenn sie es gerade selbst nicht tut. Auch mir hat mein Umfeld in dieser Situation Zuversicht und neuen Mut geschenkt. Meinen Herzensmenschen (aber auch insgesamt meiner Familie, Freunden und Bekannten) kommt hier eine Schlüsselrolle zu. Sie haben mich bestärkt, nicht aufzugeben. Sie haben an mich geglaubt; an mich als Person, aber auch an meine Vision und meine Fähigkeiten. Ihnen habe ich die Erkenntnis zu verdanken, die auch die Rednerin an dieser Stelle anführt und die so vieles verändert: Wir beide haben dadurch verstanden, dass man selbst immer sein größter Gegner ist! Weder bei ihr noch bei mir hat diese Erkenntnis allein dazu geführt, dass von nun an alles einfach wurde. Die Angst vorm Scheitern ist ein ständiger Begleiter. Während ich bei meiner Entscheidung ausschließlich für mich verantwortlich war, hing bei ihr sogar noch eine Familie dran. Sie bringt es in meinen Augen auf den Punkt, wenn sie sagt, warum sie es trotzdem wagen wollte: Möchte man frei sein und einen Beitrag leisten, ist Mut die Basis von Freiheit.

Am Ende geht sie noch auf einen Punkt ein, der auch mir sehr am Herzen liegt: der bewusste Umgang mit Schubladendenken, oder in ihren Worten Etiketten. Unser Gehirn neigt zu Kategorisierungen und Vereinfachungen. Und das ist auch wichtig für unser (Über)Leben. Allerdings sind sie im Umgang mit anderen Menschen nur dann hilfreich, wenn sie Verständnis und Verbindung schaffen. Fehlt ein solcher bewusster Umgang, führt es häufig zum Gegenteil: zur Trennung von Menschen, zu Konflikten. Zu Recht betont sie, dass es nicht nur die „negativen“ Etiketten sind (wie zum Beispiel unfreundlich oder aggressiv), sondern auch „positive“ Etiketten viel Schaden anrichten können. Schreibt man sich selbst beispielsweise zu, eine „nette“ Person zu sein oder wird der Chef von allen Mitarbeitern als „allwissend“ angesehen, entsteht nicht zwangsläufig und sofort ein Problem. Interpretiert man diese Eigenschaften aber als Teil der eigenen Identität, wird es dann schwierig, wenn eine Situation ein anderes Verhalten erfordert. Die Person gerät in einen Konflikt, weil sie hin- und hergerissen. Dabei dürfen wir uns klar machen: Auch eine „nette“ Person darf Grenzen setzen und ein „allwissender“ Chef Fehler machen! Es sind genau diese Situation, die uns zeigen, dass wir uns von einem Etikett trennen dürfen, das wir lange Zeit mit uns herum getragen haben. Vielleicht hat es uns lange dabei geholfen, durch Leben zu gehen. Aber jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, sich davon zu lösen. Unabhängig davon, ob es von unseren Mitmenschen oder von uns selbst stammt. Denn nur so können wir uns immer wieder neu erfinden – und uns so verhalten, wie es der aktuelle Moment erfordert. Veronica Lillo-Roith rät deshalb, jedes Etikett zu prüfen: Hilft es mir, meinen Herzensbeitrag zu leisten? Ja? Wunderbar! Nein? Weg damit! Gehen Sie mal in sich: Welche Etiketten halten Sie gerade davon ab, sich so zu verhalten, wie Sie es sich wünschen und wie es in Ihren Augen angemessen wäre? Was, wie oder wer glauben Sie, sein zu müssen?

Boris Grundl: Lust auf Verantwortung – So transformierst du dich auf das nächste Level

Abschließend möchte ich noch auf diesen wirklich herausragenden Vortrag zu sprechen kommen. Boris Grundl beginnt (wie einige andere Speaker zuvor ebenfalls) mit dem Phänomen, dass Menschen Seminare besuchen, Bücher lesen und sich vielleicht noch ausgiebig über das Thema ihrer Wahl austauschen. Woran aber liegt es, dass sich bei einigen etwas verändert und bei anderen eben nicht? Für ihn liegt der wesentliche Unterschied darin, ob die Menschen (unbewusst) nach Bestätigung suchen oder tatsächlich nach Wachstum streben. Auch hier geht es nicht um richtig oder falsch: Es ist absolut notwendig, dass wir Menschen hin und wieder bestätigt werden. Es fühlt sich zweifelsfrei gut an, wenn man zu einem bestimmten Thema alle Inhalte bereits kennt und das Gefühl hat, quasi selbst als Experte herangezogen werden zu können. Dieser Zustand gefällt uns – und das ist auch vollkommen ok. Allerdings: Bestätigung mag sich gut anfühlen, unsere Ergebnisse ändern sich dadurch jedoch nicht. Klassisches Beispiel: Die Millionen Menschen, die mit Bier und Chips vor dem Fernseher sitzen und dem Schiedsrichter (endlich mal!) erklären, wie Fußball eigentlich geht. Die Sache ist nur die: Zum einen ist es meist so, dass deren Meinung dem Schiedsrichter schlichtweg völlig egal ist. Zum anderen ändern auch die dramatischsten Freuden- und Wutausbrüche nichts an den Ergebnissen. Weder an dem des Spiels, noch an der eigenen Fitness. Und jetzt die schlechte Nachricht: Es macht die Menschen (leider!) auch nicht zu besseren Fußballspielern! Aber – und jetzt kommt die gute Nachricht: Darum geht es ja auch überhaupt nicht! Sinn und Zweck dieser leidenschaftlichen Diskussionen ist letztlich Bestätigung. Im Vordergrund steht die Unterhaltung (auch für Umstehende!), nicht Wachstum!

Wollen wir dagegen wirklich wachsen, gilt es, bei uns selbst zu bleiben. Wir müssen den Mut aufbringen, uns selbst zu hinterfragen – anstatt die äußeren Umstände oder unsere Mitmenschen. Auch beim Wachstum spielt das „Selbst“ daher eine große Rolle: Während es bei der Bestätigung quasi für seinen aktuellen Zustand gelobt wird, passiert beim Wachstum etwas völlig anderes: Es wird quasi in Stücke geschnitten und zerlegt. Und ja – das ist mitunter fast so schmerzhaft, wie es sich anhört! Ist man damit fertig, wird es dann wieder neu zusammengesetzt. Das Spannende: Dadurch wird das Selbst ein bisschen größer – es ist gewachsen!

Wie oben bereits erwähnt: Es geht nicht darum, ständig wachsen zu müssen. Auch die Bestätigung hat ihre Berechtigung. Boris Grundls Schätzungen zufolge befinden sich aber rund 90 % der Menschen in der Weiterbildungsbranche in diesem „Bestätigungs-Modus“. Und so lesen und lernen sie immer mehr – und sie sehen die Probleme immer klarer. Allerdings nur bei anderen. In diesem Kontext weist er (zu Recht!) auf die „Coaching-Krankheit“ hin: Für viele ist das der Moment, in dem sie sich zum Coach berufen fühlen. Sie können es zwar selbst nicht, möchten es aber anderen beibringen! Im Vordergrund steht bei der Bestätigung also die Frage, wie ANDERE Verantwortung übernehmen können. Wer genau spielt dabei keine Rolle: Schiedsrichter, Stürmer des eigenen Teams, Partner, Kollege, Chef, Kinder, Mitmenschen – irgendjemand findet sich immer! Nur: Für die Person selbst ändert sich nichts. Die Ergebnisse bleiben also gleich!

Zwei Fragen bringen den Kern der Konzepte nochmal auf den Punkt: Die Ausgangsfrage bei Bestätigung lautet: Kenn ich es? Beim Wachstum: Kann ich es? Letzteres geht also darum, bei sich selbst unbewusste Inkompetenzen zu erkennen, um sie im ersten Schritt in bewusste Inkompetenzen zu verwandeln.

Laut Boris Grundl ist es deshalb notwendig, zu lernen, sich selbst beim Denken zu beobachten – auch wenn es einige Zeit und Übung brauchen wird. Doch dadurch können Sie erkennen, wonach Sie gerade aus sind: Suchen Sie Bestätigung? Vielleicht Gründe, bestimmte Inhalte abzulehnen? Oder denken Sie wirklich nach und versuchen, sich selbst neu zusammenzusetzen?

Fühlen Sie sich gerade ein wenig ertappt? Dann schlägt der Speaker Folgendes vor: Wenn Sie bemerken, dass Sie auf Bestätigung aus sind, erkennen Sie an, dass Sie sich gerade in einem schwachen Zustand befinden. Dass Sie Kollegen schlecht denken, damit Sie selbst sich besser fühlen. Und – jetzt kommt das allerwichtigste – verzeihen Sie sich das! Das ist in Ordnung, es ist vollkommen menschlich! Wenn Sie es schaffen, darüber zu lachen, können Sie wählen, ob Sie gerade lieber wachsen möchten! Und, apropos, woran erkennt man Wachstum? Boris Grundl nennt dafür ein eindeutiges Indiz: Ihre Lebensergebnisse verbessern sich. Und zwar bezogen auf alle Bereiche: Ihre Energie, die Beziehungen zu sich selbst und Ihren Mitmenschen, aber auch Ihr Beitrag für die Gesellschaft sowie Ihre Finanzen!

„(Wie) Kann man Erfolg lernen?“ – Impulse für Ihren Alltag

Und das waren Sie, meine Highlights aus Tag 4 des Greator Online Festivals! Ich hoffe, auch Sie konnten einige Erkenntnisse für sich mitnehmen. Hier zur Erinnerung nochmal in aller Kürze:

  • Entwicklung kann Verschiedenes bedeuten: Weiterentwicklung im Sinne von nach vorne kommen oder ent-wickeln – also zum Kern vordringen.
  • Welche Ihrer Verhaltensweisen, Ihrer Gedanken, Muster und Glaubenssätze halten Sie von Ihrem Erfolg ab? Wo stehen Sie sich selbst im Weg? Erinnern Sie sich daran: Unser größter Gegner sind wir selbst!
  • Lösen Sie sich von Erwartungen und Etiketten, die Ihnen im Weg stehen. Egal, ob Sie von Ihren Mitmenschen oder von sich selbst kommen! Überprüfen Sie in dem Zusammenhang auch, welche Eigenschaften Sie Ihren Mitmenschen zuschreiben. Ausschlaggebend dabei: Hilft es, den Anderen besser zu verstehen und Verbindung zu schaffen? Erfinden Sie sich immer wieder neu – und räumen Sie Ihrem Gegenüber das gleiche Recht ein!
  • Möchten Sie Bestätigung oder Wachstum? Beides ist ok! Seien Sie sich aber bewusst: Wenn Sie andere Ergebnisse möchten, müssen Sie wachsen. Das heißt, sich selbst hinterfragen und nicht die anderen! Der erste Schritt, wenn genau das bisher nicht geklappt hat: Bemerken Sie, dass Sie eigentlich nach Bestätigung suchen. Haben Sie Verständnis und Mitgefühl mit sich selbst – jeder von uns kennt diese Phasen!

Lust auf weitere Impulse aus dem Greator Online Festival? Hier entlang: „Wo will ich hin?“ (Teil I) und Teil II, „Welchen Beitrag kann ich leisten?“ sowie „Wie kann ich Krisen in Chancen verwandeln?“!

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